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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Sozialwissenschaftlerin: Dritte Generation von Naziopfern leidet mehr als zweite

Geschichte/Gesundheit - dpa Gespräch

   Kassel/Breitenau (dpa/lhe) - Die Folgen der Nazi-Vergangenheit in der Familiengeschichte treten teilweise in der Enkelgeneration stärker zu Tage als in der mittleren. "Die zweite Generation funktioniert nach außen besser. Die dritte Generation erlaubt es sich eher, psychisch krank zu werden", erklärte die Professorin Gabriele Rosenthal von der Universität Göttingen. "Sie hat dann aber mittels professioneller Hilfe die Chance, die Geschichte aufzuarbeiten." Sowohl bei Kindern und Enkeln in "Täterfamilien" als auch solchen in "Opferfamilien" gebe es Vernichtungsängste. In den Täterfamilien seien es die, von den eigenen Familienangehörigen ermordet zu werden, in Opferfamilien bezögen sich die Ängste auf die außerfamiliale Welt, sagte die Sozialwissenschaftlerin

   "Ein anderes Symptom sind Schuldgefühle: Bei Kindern und Enkeln Überlebender ist es die Schuld, dass es einem besser geht als den Eltern oder Großeltern", sagte die Spezialistin für Familien- und Biografieforschung. In den Täterfamilien fühlten sich Kinder und Enkel oft schuldig für die Verbrechen ihrer Vorfahren. Nach Rosenthal sind die Folgen auf beiden Seiten Fantasien, die Angst machen. Fantasien gebe es umso häufiger, umso mehr Lücken der Dialog mit der Nazi-Generation aufweise. Um die Geschichte zu verarbeiten, sei es wichtig, nicht mit dem Geheimnismanagement von Eltern oder Großeltern fortzufahren. Dabei differenziert die Professorin wiederum in Täter- und Opferfamilien: "In Opferfamilien wird eher geschwiegen in Täterfamilien eher geleugnet und abgestritten."

   Wichtig ist es laut Rosenthal, die Eltern- oder Großelterngeneration zum Erzählen aufzufordern, dabei zuzuhören und nicht in eine Anklagehaltung zu verfallen. "Bei der Verarbeitung muss den Nachgeborenen klar werden, dass nicht sie verrückt sind, sondern, dass die Geschichte, die an sie tradiert wurde, belastend ist", sagte die Professorin. Wenn die Nachgeborenen wüssten, woher ihre Ängste kommen, sei es für sie leichter, damit zu leben, als wenn sie das nicht wissen. Generell geht Rosenthal davon aus, dass mehr Großeltern und Eltern am Naziregime mitgewirkt haben, als gemeinhin angenommen werde und also auch viele Nachgeborene von Folgeerscheinungen betroffen sind.

(Autorin: Britta Erlemann)

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Eingestellt 4/07

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