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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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"Frauen verhandeln schlecht"

Equal Pay Day

Schleicher
BPW-Präsidentin Dr. Bettina Schleicher.

Dr. Bettina Schleicher ist seit 2004 ehrenamtlich Präsidentin des Business And Professional Women (BPW) - Germany e.V. und wurde vor acht Jahren Mitglied. Sie baute den BPW- Club Berlin auf und ist als Rechtsanwältin Partnerin einer Wirtschaftskanzlei. Seit 2007 ist sie EU-Botschafterin für Diversity (Vielfalt und Chancengleichheit).

? Frau Dr. Schleicher, der BPW Germany hat den aus den USA kommenden Equal Pay Day zur Entgeltgleichheit von Frauen und Männern dieses Jahr erstmals hierzulande ins Leben gerufen. Warum?

! Wir sehen einen dringenden Handlungsbedarf. In Deutschland gibt es einen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern von 22 Prozent. Wir liegen damit unter dem EU-Durchschnitt von 15 Prozent. Es bedarf eines klaren Zeichens gegenüber Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit über diesen Umstand, die Gründe und Möglichkeiten, damit sich das ändert.

? Am Aktionstag, dem 15. April, gab es in 25 Städten Veranstaltungen zu mehr Lohngerechtigkeit für Frauen. Was hat das bewegt?

! Es gab circa 170 Veröffentlichungen in Medien. Mehrere Fernsehsender haben regional berichtet, und es gab viele Radiointerviews. Wir haben Zuspruch von vielen Organisationen, Gewerkschaften, aber auch Unternehmen erhalten. Und nicht zuletzt haben CDU,  SPD und Grüne sich unterstützend geäußert. Der Aktionstag wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Wir haben von den BPW-Organisationen in der Schweiz, den Niederlanden und Polen Mitteilung bekommen, dass sie den Aktionstag nächstes Jahr auch druchführen wollen.

? Was muss die Politik beitragen, um Entgelt-Gleichheit zu erreichen?

! Wir brauchen Offenlegungspflichten für Unternehmen. Es muss eine Entgeltanalyse erstellt werden wie zum Beispiel in Schweden. Da sind die Unternehmen verpflichtet, eine Untersuchung wahr zu nehmen, darüber zu erichten und Maßnahmen zur Lohnangleichung zu ergreifen. Wenn sie das nicht können, werden sie mit Strafen belegt. Wieterhin müssen Arbeitsplätze und Tätigkeiten geschlechtsneutral bewertet werden. Dann brauchen wir eine Vielzahl von Rahmenbedingen, die es Frauen ermöglichen, einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachzugehen und auch in gut dotierte Führungspositionen aufzusteigen., zum Beispiel ausreichend Krippenplätze und die Abschaffung von Ehegattensplitting und Lohnsteuerklassen.

? Was muss sich in der Wirtschaft ändern?

! Die Wirtschaft entscheidet rational. Solange es für Unternehmen ein Risiko ist, eine Frau einzustellen, weil sie wegen einer dreijährigen Familenpause an Qualifikation verlieren könnte, besteht die Gefahr, dass Frauen benachteiligt werden. Unternehmen sollten Vergleiche anstellen und analysieren, ob unter Ihrem Dach diskriminierungsfrei gezahlt wird. Sie sind gut beraten, wenn sie Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat holen, denn nach der McKinsey-Studie "Women matter" - Frauen sind wichtig - erwirtschaften Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Vorstand bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite.

? Wie müssen Frauen sich verhalten, um im Job besser bezahlt zu werden?

! Eine wesentliche Ursache, warum Frauen wenig verdienen ist: Sie verhandeln schlecht. Frauen sollten sich ausreichend sachkundig machen vor Gehaltsverhandlungen, sich ihrer Leistung bewusst sein und ihres Wertes für Unternehmen. Außerdem sollten sie mehr Mut zur Übernahme von Macht und Risiko haben.

? Wenn man sich die Entwicklung von der Kindheit zum Erwachsenenalter anschaut, kommen die Jungen in der Schule schlechter zurecht als Mädchen, machen die schlechteren Abschlüsse und bekommen dann als Erwachsenen mehr Lohn und mehr Führungspositionen. Wie kommt das zustande? 

! Viele Frauen widmen sich mehr der Familie und geben die Berufstätigkeit zumindest zeitweise ganz oder teilweise auf. Es ist derzeit bei uns noch so, dass die Last der Familie noch mehr auf den Schultern der Frauen liegt, und viele sagen sich dann: "Was soll ich mir den Stress antun von Familie plus Beruf?" Diesen beruflichen Rückstand holen Frauen nie wieder auf. Viele Frauen wollen aber auch Karriere machen und stoßen dann an die gläserne Decke, also daran, dass die Besetzung von Stellen nach althergebrachten Mustern erfolgt.

? Muss man nicht auch beim Frauen- und Männerbild ansetzen, um diese Situation zu ändern?

! Familiäre und finanzielle Fürsorge, also Berufstätigkeit sollten auf jeden Fall auf beide Schultern verteilt werden. Das ist zeitgemäß.

Interview: Britta Erlemann, erschienen in Publik-Forum, eingestellt 5/08

 

 

 

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