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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

Freie Journalistin
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Wertschätzen wie eine Giraffe

Gewaltfreie Kommunikation

Barbara Köhler
Gibt Trainings in gewaltfreier Kommunikation: Dr. Barbara Köhler.

Stellen Sie sich vor, wir wären befreundet und hatten verabredet, dass Sie sich melden. Nach drei Monaten begegnen wir uns zufällig auf der Straße. Ich begrüße Dich mit den Worten: "Na, Du treulose Tomate!". Wie reagieren Sie auf der Basis der gewaltfreien Kommunikation (GFK)?

Ich würde erst mal einen tiefen Atemzug nehmen. Wenn mich das sehr trifft,  schaue ich, was es in mir macht. Ich merke, dass ich erschrocken bin, aber ich brauche die Sicherheit, dass noch eine Verbindung vorhanden ist. Dann sage ich: "Hey, bist Du sauer oder traurig, weil Du Dir gewünscht hattest, dass wir in Kontakt bleiben?" Ich  schaue, was Du antwortest, und kann mich danach verhalten. Wenn Du sagst, "Ja, stimmt, ich bin stinksauer und kann gar nicht verstehen, warum Du Dich nicht gemeldet hast", antworte ich: "Ja, Dir ist wirklich wichtig mitzubekommen, was los ist. Ich will es Dir gern erklären. Hast Du Lust und Zeit, mir ist es wichtig, dass Du es verstehen kannst." Und dann würde ich es erklären.

Was ist GFK überhaupt?

GFK ist ein Hilfsmittel, um mit der Menschlichkeit in Verbindung zu kommen, also mit dem in Verbindung zu kommen, was in mir lebendig ist. D.h., nicht zu unterscheiden zwischen dem, was in mir lebendig ist und dem, was ich denke wie es sein sollte. In dem Bereich halten wir uns ja oft auf: Wie soll es sein? Verhalte ich mich richtig? Ist es OK. was ich mache?

Könnte man sagen, gewaltfreie Kommunikation ist ein Mittel, um konstruktiv zu streiten?

Ja. Bei einem Streit ist es so, dass bei jedem Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Konstruktiv wird es dann, wenn wir rausfinden, was jeder braucht. Da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Da ist ein kreatives Miteinander möglich. Bei einem klassischen Streit geht es um Positionen, "Wer hat recht?" oder "Wer ist Schuld?". Das macht wenig Spaß, ist destruktiv.

Kann GFK die Welt verändern?

Auf jeden Fall. Meine Welt hat es verändert. Ich hab mich in den letzten Jahren sehr viel unter Menschen aufgehalten, die ebenfalls versuchen, in dieser Weise mit Situationen umzugehen. Ich habe viel mehr Vertrauen, sein zu dürfen und das, was in mir ist, mich zu trauen, mich auszudrücken. Wenn ich wirklich ehrlich bin, mit dem, was in mir ist und mich sicher fühl, dann kann der andere mich auch erkennen. Und wenn jemand sagt: "Was hast Du denn da verzapft?", kann ich meine Giraffenohren aufsetzen und schauen, was ist bei ihm angekommen? Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich nicht in Ordnung bin. Ich komme aus diesem Kritisieren, Schuldsein und Schlechtsein raus. Das ist eine irre Befreiung.

In der GFK gibt es ja Wölfe und Giraffen. Was hat es damit auf sich?

Der Wolf, ist ein Symbol für die Sprache, die wir in unserer Kultur gelernt haben zu sprechen. Wenn mir etwas nicht angenehm ist, schaue ich: Wer ist schuld? Wenn Sie etwas verkehrt gemacht haben, dann bin ich ärgerlich, kritisiere Sie, mache Ihnen Vorwürfe, mache Dinge, um Sie dazu zu kriegen, dass Sie das machen, was ich für richtig halte. So, wie ich mit anderen umgehe, gehe ich auch mit mir um: Wenn ich einen Fehler mache, denke ich, dass ich nicht in Ordnung bin, dass ich Schuld bin. Das macht eng und klein.

Die Giraffensprache ist die Sprache von Herzen. Ich versuche zu spüren, da ist eine Situation, die macht was mit mir, gegebenenfalls auch etwas Unangenehmes. Dann lenke ich meine Konzentration auf das Gefühl und frage: "Was brauche ich?". Mehr Wertschätzung für das, was ich geleistet habe oder Unterstützung? Und ich überlege "Wie kann ich das jetzt bekommen? Wie kann ich aktiv werden und um etwas bitten".

Wenn ich GFK anwenden will, heißt das, ich muss jetzt immer nett sein?

Auf keinen Fall. Es heißt ‚nur’: Ich drücke mich ehrlich darüber aus, was ich fühle und was ich brauche. Das kostet Mut, da wir nicht gewohnt sind, über unsere Gefühle zu sprechen. Aber es ist kraftvoll, wenn ich sage, wie es mir geht und was ich brauche,  mich nicht verbiege.

Was für Voraussetzungen muss ich mitbringen, um GFK zu lernen und anwenden zu können?

Die Bereitschaft, etwas an mir ändern zu wollen. Der Rest kommt von allein. Wenn ich bereit bin zu sagen, "Hey,  ich bin unzufrieden mit dem, wie es im Moment ist", dann bin ich auch bereit zu schauen, was gerade in mir los ist. Vielleicht noch ein Prise Mut, um mir zu erlauben, die Gefühle zu fühlen, die in mir sind.

Wie verbreitet ist GFK eigentlich?

Das Center for Nonviolent Communication (CNVC) ist eine weltweite Organisation. Sie haben mittlerweile etwa 200 Trainer. Und in Deutschland gibt es die meisten Trainer weltweit, ca. 60. Ich habe den Eindruck, in Deutschland verbreitet sich das am stärksten, hier ist ein Hunger danach.

Du bist zertifizierte Trainerin des CNVC. Was steckt dahinter?

Ich habe Tagebuch über mehrere Jahre geführt und habe alle Schwierigkeiten, die mir in meinem Alltag begegnen, in dieser Weise versucht zu lösen. Ich glaube, dieses Einschleifen und dieses Üben, ist etwas, was von den Trainern erwünscht wird: Dass sie das, was sie lehren auch leben. Das gelingt nicht immer. Ich habe außerdem mehrere Jahre GFK praktiziert und ich glaube 20 Trainingstage gemacht, und bei Marschall selber IT, das ist ein internationales Training, was er über neun Tage gibt, wo Leute aus der ganzen Welt zusammenkommen. Dann habe ich schon Trainings gegeben, Einführungskurse, in der Ausbildung. Dazu gehört auch, dass ich Rückmeldung von anderen Trainern bekommen habe. Und von Teilnehmerinnen in den Kursen.

Gibt es eigentlich eine unterschiedliche Umgangsweise, die Frauen und Männer mitbringen?

Was ich bei Männern häufiger erlebe ist, dass es schwieriger ist, in das Fühlen zu kommen. Viele Menschen, wenn sie von Gefühlen reden, sind im Kopf und nicht mit dem Gefühl verbunden sind. Und diesen Schritt vom Kopf in den Körper, der geht bei vielen Männern nicht ganz so schnell. Frauen sind da häufig einfach flüssiger drin. Aber das ist Übungssache. Männer haben das vielleicht ein bisschen besser verlernt, nicht zu fühlen.

Ich habe eine Brieffreundin, die versucht hat, Beziehungsprobleme mit GFK zu lösen. Ihre Partnerin: "Bleib mir weg mit dieser Psychoscheiße!" Was sagen Sie dazu?

Das passiert, weil wir versuchen, etwas Neues auszuprobieren. Und es klingt künstlich, was es auch ist, weil wir noch nicht darin geübt sind. Die Brieffreundin ist quasi gescheitert und frustriert und denkt vielleicht GFK funktioniert gar nicht. Wenn sie ein bisschen geübter ist, kann sie schauen, was das mit ihr macht. Wie hilflos sie sich vielleicht fühlt und ihr Bedürfnis nach Wertschätzung nicht erfüllt ist. Da kann sie rausfinden, was ihr wichtig ist, beispielsweise mit ihrer Partnerin in Verbindung zu kommen. Sie kann wieder in Kontakt gehen und der Partnerin sagen, wie traurig sie das macht, dass das nicht funktioniert hat mit GFK und wie wichtig es ihr ist, eine Form zu finden. Sie ist dann wieder in Verbindung.

Was fehlt noch in diesem Interview?

Mir ist jetzt in den letzten Workshops, aufgefallen, dass viele Menschen mit Verwandtschaft oder Freunden Konflikte haben, die zu Besuch kommen und die diese Besuche aushalten, sich nicht trauen zu sagen: "Eigentlich hätte ich am liebsten, dass Du gehst." Ich glaube,  damit sind viele Ängste verbunden. Da möchte ich gerne meinen nächsten Vertiefungskurs anbieten, und das zu üben. Zu schauen was ist,  wenn der Supergau eintrifft: Ich sorge für mich und jemand wird traurig, ich habe ihn verletzt.

Ich möchte noch sagen, dass es funktioniert. Ich habe einen 15jährigen Sohn. Die Verbindung zu ihm wird immer besser, je mehr ich lerne, die Verantwortung für meine Bedürfnisse zu mir zu nehmen, ihn freilasse, dass er sich nicht irgendwie verhalten muss, damit ich mich wohlfühl. Umso mehr kommt er in seine Kraft, und wir können uns auf Augenhöhe begegnen. Und da bin ich sehr glücklich. Das ist ein Weg, der stimmt.

Dr. Barbara Köhler, Jahrgang 1960 ist promovierte Agrarwissenschaftlerin, ausgebildete Mediatorin und zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. Info: www.achtsame-sprache.de

Eingestellt 6/08

 

 

 

 

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