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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Wenn Theaterfunken sprühen

Die Bad Arolsen Company

BAC
Auch kritische Themen packt die BAC an...

Engagiert und begeistert erzählen Gründer Jens Guske, Regisseurin und Darstellerin Tina Rummel sowie Bühnenbildner Carl Farin von der Bad Arolsen Company (BAC). Von diesen Funken zeugen auch die Aufführungen des Ensembles. Einmalig in der Region hat das Amateurtheater 2003 ein eigenes Theater in einer ehemaligen Fabrikhalle eröffnet. Angefangen hat alles vor zehn Jahren. Guske, auch Darsteller und Regisseur, hatte als Lehrer an der Bad Arolser Grundschule eine Stelle angetreten und seine in Bremen begonnene Theaterarbeit fortgesetzt. Und zwar nach dem autobiografischen Buch "Trotzdem Ja zum Leben sagen" des ehemaligen KZ-Häftlings Viktor E. Frankl. "Meine Erfahrung ist, dass Theater berührt und berühren kann und dadurch Erfahrungen möglich sind", erzählt Autodidakt Guske. Dessen Aufführung war die Initialzündung, wieder Theater machen zu wollen, und so gab er eine Zeitungsanzeige auf: "Wer hat Lust Theater zu spielen?". Es meldeten sich 15 Interessierte. Im Herbst 1999 brachte die auf zehn Köpfe geschrumpfte Gruppe mit "Tango" von V. Mrozek ihr erstes Stück auf die Bühne. Mittlerweile ist die BAC ein Verein mit über 50 Mitgliedern, darunter eine Jugendabteilung mit 15 Nachwuchsdarstellern. In der Fabrikhalle präsentiert die BAC neben eigenen Produktionen auch Gastspiele, Musikevents, Ausstellungen, Lesungen und ausgewählte Kinofilme.

Breites Repertoire

Unter den bisherigen 26 Eigenproduktionen befinden sich Klassiker wie "Die Dreigroschenoper", aktuellere Stücke, etwa "Der Kontrabass" sowie Boulevardstücke wie "Boeing Boeing" und Volksstücke, so "Bezahlt wird nicht". "Lebenslänglich" als Theater für und von Senioren aber auch Kinder- und Jugendtheater, zum Beispiel "Herr der Fliegen". Musikalisches gehört ebenfalls zum Repertoire. Dabei unterstützt Jan Knobbe, Bezirks-General-Musikdirektor und Kantor der evangelischen Kirche in Bad Arolsen die Crew. Die Stücke wählt Rummel nach Bauchgefühl aus. "Man liest sich in was rein, was in den Theaterkatalogen angeboten wird. Dann stellt man sich vor, wie besetze ich das?", erzählt sie - und überlegt, ob sie Lust hat, nach etwas Schwerem mal wieder etwas Lustiges zu machen. Dabei haben auch die ausgewählten Komödien einen Anspruch, wie Farin erklärt. Dann gibt Rummel den Darstellerinnen und Darstellern den Text und fragt, ob er oder sie sich vorstellen kann, die jeweilige Rolle zu spielen. "Man kann nicht jeden x-beliebigen auf jede Rolle setzen", sagt die Theaterpädagogin in Ausbildung dazu. Etwa ein dreiviertel Jahr vor der Premiere beginnen die Proben. "Die Leute haben alle einen Acht-Stunden-Tag, hauen sich zu Hause die Stulle rein und kommen dann hierher. Die Leute leisten Unglaubliches", lobt sie das Ensemble. In den Proben werde viel diskutiert und hinterfragt, sie sei da nicht direktiv. Aber wenn der grobe Rahmen stehe, müsse die Regie auch streng leiten. Am Ende ist der Erfolg nach Guske nicht abhängig von der Zuschauerzahl. "Der Lohn ist, dass hinterher gesagt wird: ‚Das habt Ihr toll gemacht.’" Und Rummel ergänzt: "Durch die Arbeit im Theater haben sich viele Leute getraut, Dinge zu tun, die sie sonst nicht gemacht hätten oder von denen sie geglaubt hätten, sie könnten sie nicht", berichtet die hauptberufliche Konflikt- und Kommunikationstrainerin. Zum Beispiel Regie führen oder einen hässlichen Menschen oder eine erotische Seite spielen.

Unabhängigkeit

Das Amateurtheater finanziert sich rein aus Eintrittsgeldern und Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden. Der Saal fasst etwa 120 Zuschauer. Manchmal musste die BAC schon Schaulustige wegschicken, weil der Raum bereits voll war. "Wir locken immer wieder neues Publikum an, dass gar nicht wusste, dass es das hier gibt", so Guske. Nicht zuletzt durch Mund-zu-Mund-Propaganda kommen die Zuschauerinnen und Zuschauer mittlerweile aus ganz Nordhessen. Manche kommen auch über eine Ausstellung in der Fabrikhalle zum Theater. "Das Ausstellungskonzept ist es, lokalen Künstlern, die relativ unbekannt sind, ein Forum zu bieten", sagt Profi-Bühnenbildner Farin. "Das eigene Haus ermöglicht erst die Arbeit in der Bandbreite, wie wir sie haben", erklärt Rummel. Und der Bühnenbildner ergänzt: "Wir sind stolz, dass wir finanziell unabhängig sind, und das hinkriegen".

Zukunftspläne? "Mein letzter Film" ursprünglich für das Kino in Szene gesetzt, ist angedacht. Und "Nackter Wahnsinn", ein Stück über ein chaotisches Schauspielensemble mit karikierten Stereotypen, das eine doppelstöckige, drehbare Bühne benötigt. Und da gehen auch schon fast die Ideen mit den drei Interviewten durch. Engagiertes Amateurtheater eben.

Eingestellt 7/08

 

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