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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Göttliche Töne: Ein Kasseler Star der arabischen Musik

Hamid Baroudi

Hamid
Pionier der Weltmusik: Hamid Baroudi

 

   Kassel (dpa/lhe) - Hamid Baroudis Songs ergeben sich ganz einfach - durch Menschen, denen er begegnet: "Ich lief durch die Straßen von Kairo auf der Suche nach einer Nay, einer arabischen Flöte", erzählt der Weltmusiker. In einem Laden ließ er sich Nays zeigen. "Der Verkäufer rief einen kleinen Jungen, so zehn Jahre, der total verstaubt war." Dann habe er den Jungen gebeten, "dem Herrn etwas zu spielen". "Ich bin fast vom Hocker gefallen. Das waren göttliche Töne", begeistert sich der Algerier. Aus solchen Geschichten aus der ganzen Welt entsteht Baroudis Musik. Seine Heimat hat der 46-Jährige in Kassel gefunden.

   Der kleine Junge habe bei dem Ladenbesitzer arbeiten müssen, damit seine Familie über die Runden komme. Baroudi besuchte den Jungen und seine Familie in einem Armenviertel am Nil. Es wurde eine Jam-Session, und Baroudi war von der Musik und den Leuten so hingerissen, dass er seine Reise verlängerte und dort ein Song entstand.

   Weltmusik, so heißen im Plattenladen traditionelle Klänge aus Afrika, Asien oder Südamerika, die zuweilen mit Pop vermischt sind. In der Fachpresse gilt der 46-jährige Baroudi als Pionier dieses Genres und einer der wichtigsten nordafrikanischen Musikexporte. In seiner Heimat Algerien werde er schon als Vorbild einer ganz neuen Musikgeneration gefeiert. Man nenne ihn "die Stimme Nordafrikas". (sagt wer?) Von Kassel aus versorgt er die Musikwelt mit seiner Mischung aus Ethno, Pop, Jazz, Blues, Latin, Flamenco und Rock, kurz Cross-Over. Baroudi tourte bislang durch die ganze Welt und spielte auch vor 50 000 Zuschauern für Nelson Mandela. Die neue CD "Tam Tam a Tam" erscheint im Mai.

   Der Wahl-Kasseler arbeitet heute mit Musikern in Asien, Afrika, Amerika und Australien, etwa mit Tuaregs in der Sahara oder Indianern in South Dakota. Fest zusammen spielt er mit den Deutschen Till Mertens (Piano), Stephan Emig (Schlagzeug) und Rolf Denecke (Jazzbass). Baroudi ist auch Filmemacher. Visuelle Kommunikation hat er an der Kunsthochschule Kassel studiert. Stolz ist er auf seine DVD zur neuen CD: "Ich mache die erste mehrsprachige Weltmusik-DVD. Da sieht man, wie wir durch die afrikanische Wüste gegangen sind, in Australien unterwegs waren und über die Berge gewandert sind", erzählt er. Er wolle nicht den Fehler anderer Musiker wiederholen, nur im Tonstudio zu arbeiten, sondern "draußen" produzieren und mit visuellen Medien arbeiten.

   Nach der Pleite des größten Independentvertriebs Efa baute sich der Mann sein eigenes Label auf. Heute ist er froh, dass er von keiner Plattenfirma abhängig ist. Das schaffte er aus einer prekären Lage, denn durch den Konkurs hatte er alle Tantiemen aus dem Verkauf seiner Platten verloren. "Ich wusste, ich habe genug Ideen. Wenn man genug Ideen hat, ist das mehr Reichtum als Öl." Er fand in Frankreich, Italien und Spanien Förderer und steckt deshalb jetzt auch selbst Geld in die Ausbildung von Künstlern. So fließt es in eine Schule für die Frauen der Tuareg, damit sie das einseitige Fraueninstrument Imzad lernen können. Hätte der Kasseler das nicht getan, hätten die letzten Alten, die das Instrument noch beherrschen, diese Fertigkeit mit ins Grab genommen.

   Baroudi selbst hat Musik in der Straßenschule gelernt, sagt er. Die erste Gitarre hat er mit 13 Jahren zusammengebastelt, weil er sich keine leisten konnte. Bis heute kann er keine Noten lesen. Doch die Wurzeln seiner Musikalität reichen weiter zurück. "Meine Mutter und Schwester waren sehr begabte Sängerinnen", erzählt der Nachtarbeiter, der mit Freundin und Kater zusammenlebt. Die Mutter habe ihn als Kind auf dem Rücken getragen und bei der Arbeit gesungen und getanzt. Der Rhythmus ging ihm in Fleisch und Blut über. "Überlieferung" nennt er das.

   Später war er Rebell in einer Jugendbande, bekam ein Radio und "klebte daran". John Lennon mit seiner Rebellion, Bob Dylan mit seiner Poesie und Jimmy Hendrix mit seiner Virtuosität wurden die Vorbilder. Mit 16 haute er ins Ausland ab und schlug sich in vielen europäischen Ländern mit Straßenmusik durch - mit Pop und afroarabischen Elementen. Von dem Geld leistete er sich, im Goetheinstitut Deutsch zu lernen. Auch sein Studium an der Kasseler Kunsthochschule finanziert er so. Heute schreibt er auch Filmmusiken für seine Kommilitonen von einst.

(Internet: www.hamidbaroudi.com)

[Hamid Baroudi]: Kassel

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Eingestellt 3/09

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