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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

Freie Journalistin
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In Baumwipfeln arbeiten

Baumkletterin Octavia Brooker

Octavia
Octavia Brooker bei der Arbeit

Wenn Octavia Brooker in den Seilen hängt, geht es ihr nicht seelisch schlecht. Nein, sie betreibt gut gesichert Baumpflege. Ganz Fachfrau erklärt sie, wie: Dass ein Seil in den Baum hoch geschossen wird mit einem Säckchen dran mittels einer Zwille in eine Gabel. Daran werde das Aufstiegsseil angebunden. Ein Ende davon wird am Baum fixiert. "Am nicht fixierten Ende kann man mit Steigklemmen aufsteigen", sagt sie. Steigeisen würden dagegen den Baum verletzen. Die Steigklemmen seien am Seil fixiert mit einem Griff dran, an dem sie sich hochziehe. Wenn sie oben ist, baut sie das Kletterseil ein, an dem sie an jeden Punkt des Baumes klettern kann. Das alles erzählt die Baumkletterin mit ruhiger Stimme. Eine von etwa 15 Frauen in Deutschland schätzt sie, ist sie, die diesen Job ausübt - und die einzige in Kassel. Nur der Bremsknoten, ein kleiner Knoten am Seil, hält sie dabei. Seilklettertechnik nennt sich das. Das Seil sei jedoch nur Mittel zum Zweck, um den Baum zu pflegen. Und das macht sie mit Motor- und Handsäge. "Es hat viel damit zu tun, sich auf den Baum ein zu stellen", erklärt die 37-jährige sportlich gebaute Frau. Jeder Baum sei individuell. Die so genannte gute Baumpflege ist ihr wichtig. Die hat sie in Hamburg gelernt. Da wird der Baum der Baumart entsprechend bearbeitet. Das Ganze nennt sich ZTV-Baumpflege (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege herausgegeben von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.).

Ihre Aufgabe ist es, in die Baumkrone mehr Licht zu bringen, Todholz zu entfernen oder auch einen ganzen Baum ab zu tragen. Viele Bäume würden schlecht behandelt, denn sie würden einfach horizontal abgekappt. Was aber auf den Kappstellen wachse, sei bruchgefährdet. Dem kann sie entgegenwirken, indem Octavia Brooker den Baum noch einmal um ein Drittel kürzt, damit er wieder eine schöne Krone entwickeln kann. In Privatgärten ist oft nicht genug Platz für fallende Bäume oder eine Hebebühne. "Dann kommen wir, um zu klettern", erzählt sie "und tragen den Baum Stück für Stück mit Ablasseilen ab."

Meisterin der Baumpflege

Ihr Ziel ist es, einmal Fachagrarwirtin zu werden, das ist so etwas wie Meisterin der Baumpflege. Die meisten Frauen, die in ihrem Beruf arbeiten, machen es - wie Brooker - selbstständig. Die meiste Arbeitszeit fällt in den Winter. Gerade versucht sie, einen Fuß in die Kasseler Kletterszene zu bekommen, denn sie ist erst vor kurzem von Bremen hierher gezogen und mindestens zu zweit zu klettern ist aus Sicherheitsgründen Pflicht. Ursprünglich ist die rothaarige Frau Gärtnerin, hat außerdem Ergotherapeutin gelernt. Als letztere arbeitete sie in einem Altenheim und war unglücklich damit. "Ich komme aus dem Leistungssport und suchte eine Herausforderung", berichtet sie von ihrem Weg zum Baumklettern. In Bremen und Hamburg sah sie dann Stellen für Garten- und Landschaftsgärtnerei. Im Vorstellungsgespräch wurde sie gefragt, ob sie auch klettern würde. "Da habe ich gedacht: `Ja, das ist es!´", sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt ist sie zwar nicht höhentauglich, sagt aber trotzdem auf Nachfragen, sie sei es - und wird eingestellt. Dann kam doch die Angst: "Das kann ich niemals", nach außen tat sie aber gelassen. Ausbilder begleiteten sie gut und so gewöhnte sie sich schnell, schließlich bewegte sie sich jeden Tag mehrere Stunden im Baum. "Ein halbes Jahr hatte ich blaue Flecke und Muskelkater. Aber ich wollte das unbedingt lernen", sagt sie. Heute würde sie jedem empfehlen, vorher eine Kletterausbildung zu machen, die dauere nur eine Woche. Zwei Jahre arbeitete sie dann in Hamburg, danach in Bremen. Nach einem halben Jahr hörte sie dort auf, weil sie als Frau keine Chance hatte. Es folgte Arbeiten auf Montage für die Bundesbahn - Bahntrassen frei schneiden. Ein Kollege kommt bei angestelltem Strom um. "Das war ganz schlimm für mich." Der Strom war bei angeschalteter Teleskopmotorsäge in das Gerät gesprungen. Der Vorarbeiter stand hernach wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Sie selbst hatte die Position zuvor abgelehnt. Der Betrieb ging dann in betrügerische Insolvenz und die Garten- und Landschaftsgärtnerin kam auf die Idee, sich selbstständig zu machen. Sie arbeitete von da ab öfter mit in Privatgärten. Eine andere Kletterin lernte sie kennen, mit der sie in Bremen und Umgebung "los zog" wie sie sagt. Ihre eigene Firma heißt heute Treepoint. Sie orientiert sich bundesweit.

Auf den Körper hören ist essentiell bei der Arbeit. Wer zehn Minuten in den Gurten bewusstlos hängt, dem schießt das Blut in die Extremitäten, was dazu führt, dass das Herzkreislaufsystem versagt. Unfälle kommen vor. So habe sich ein Kollege, der nicht doppelt gesichert war, selbst vom Baum gesägt. "Die meiste Gefahr geht von der Motorsäge aus", weiß Brooker. Wenn man sich konzentriere, bestünde keine Gefahr. Super wichtig sei im Baum auch, zu schauen, wo die Bodenleute sind beim Runterschmeißen der Äste.

"Wenn ich morgens früh in den Baum steige, die Sonne geht auf und unten ist noch Schatten, dann denke ich, es ist der beste Job der Welt", schwärmt sie. Hinterher ist sie körperlich total ausgepowert, aber so mag sie es auch. Sie habe mittlerweile einen Körper, als ginge sie regelmäßig ins Fitnessstudio sagt sie zum Abschluss noch, und das sieht man ihr auch an.

Info: tree.point@yahoo.de Tel.: 0561/73 97 222, im Sommer auch Gartenpflege

Eingestellt 5/09

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