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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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In der Kindheit stöbern

Waldecker Spielzeugmuseum

Armes Luder
Das arme Luder

1945. Eine Mutter aus Breslau flüchtet im bitterkalten Frühjahr mit ihrer achtjährigen Tochter und ihrem zwölfjährigen Sohn vor den Russen Richtung Westen. Eines Morgens hat das Mädchen die vom gefallenen Vater geschenkte Puppe verloren. Es weint bitterlich. Da macht sich der Bruder unbemerkt los, die Puppe zu suchen. Für die Mutter vergehen vier schlimme Tage und Nächte bis der Junge mit der Puppe von einem Militärlastwagen mitgenommen wieder auftaucht. Alle freuen sich wieder beieinander zu sein. Später spendet die Mutter die stark abgenutzte und kleiderlose Puppe dem Waldecker Spielzeugmuseum.

Geschichten wie die vom "armen Luder" könnten wohl viele der Exponate erzählen. Auf 300 Quadratmetern können sich große und kleine Besucherinnen und Besucher rund 2000 Spielzeuge aus der Zeit von 1830 bis 1970 anschauen. Die einzelnen Räume thematisieren zum Beispiel klassisches Mädchenspielzeug wie Puppen und Puppenstuben, die die Mädchen auf die Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereiten sollten. "Spiele für alle" ist ein weiterer Raum, hier zum Beispiel mit Geschicklichkeits- und Glücksspielen. In der Abteilung "Jungenspielzeug" zeigt sich, wie Jungen bis in die 50er Jahre auf ihre Rolle als Mann vorbereitet wurden: Zu Tapferkeit und Mut, Verständnis für Technik und Konstruktion wurden sie etwa mittels Baukästen, Kriegsspielzeug und technischem Spielzeug erzogen. Auch Ritterburgen, Bauernhöfe und Dampfmaschinen finden sich hier. Schule und Erziehung mit einem nachgebauten alten Klassenzimmer (Zwille, Griffelkästen und Schiefertafel!) sowie Spiele im Freien gehören ebenfalls zum Ausstellungskonzept. Publikumsmagnet ist eine Eisenbahnanlage, die einer Märklin Eisenbahnanlage entspricht, wie sie um 1960 in den Kinderzimmern zu finden war. die Besucherinnen und Besucher selbst bedienen dürfen. Hinzu kommen wechselnde Sonderausstellungen.

Untergebracht ist das Ganze in einem ehemals landwirtschaftlich genutzten Anwesen, dem "Hof Meier" (Ringstraße 15) in Bad Arolsen-Massenhausen. 2007 wurde er mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Das professionell gemachte Museum nach einem Feinkonzept von Dr. Martina Lüdicke (Göttingen) wird rein ehrenamtlich betrieben. An der Museumsgestaltung beteiligt war auch der Grafiker Hans-Jürgen Grigoleit (Kassel) und Architekt Volker Umlauff (Kassel). Getragen wird das Museum vom Museums- und Heimatverein Massenhausen e.V: Die Pläne für ein Spielzeugmuseum entstanden aus dem hessischen Landeswettbewerb "Unser Dorf - Kinder im Dorf" im Jahr 2000. Von Massenhäuser Kindern ging damals die Initiative aus, eine Ausstellung mit historischem Spielzeug aus dem Dorf zu inszenieren. Der Sammlungsaufruf erbrachte eine Vielzahl an Objekten, sodass die Ausstellung in das Begleitprogramm der 700-Jahrfeier des Ortes aufgenommen wurde. Über den Kontakt zu Sammlern konnte der Bestand erheblich ausgeweitet werden. Räumlichkeiten für die angewachsene Sammlung fanden sich schließlich in der ehemaligen Schule in Massenhausen in der Briloner Straße 9. Seit dem Jahr 2000 wurde dort in den Monaten April bis Dezember mit großem Erfolg die Ausstellung "Spiel-Zeugen eines Jahrhunderts", unter dem Einsatz vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, präsentiert.  Aufgrund durchweg positiver Resonanz der Ausstellungsbesucher, offenem Gehör bei den örtlichen politischen Gremien und wachsenden Feuereifer der Aktiven im Ausstellungsbetrieb reifte der Gedanke, dauerhaft die Ausstellung "Spielzeugen eines Jahrhunderts" in den Ort zu integrieren.  Um die Pläne zur Gründung eines Museums forcieren zu können, wurde im November 2001 der Museums- und Heimatverein Massenhausen e. V. gegründet, dessen Zusammensetzung mit rund 150 Mitgliedern und 30 Aktiven weit über Massenhausen hinaus reicht. 2006 zog das Museum dann in die Ringstraße um.

Viele Besucherinnen und Besucher treten mit dem Museumspersonal in Kontakt, fangen von ihren eigenen Kindheitserinnerungen an zu erzählen. Spielzeug sei sehr emotional besetzt, meint denn auch Schriftführerin Angelika Biederbeck.  Der Verein ist Mitglied im Hessischen Museumsverband, der das Museum berät und finanziell unterstützt. Zum Programm gehören Veranstaltungen wie Musikabende, Basteln und der Besuch einer Puppenärztin. Sonntags gibt es Kaffee und Kuchen. Auch kann hier Geburtstag gefeiert werden.

Info: www.spielzeugmuseum.net; Tel.: 05691/6683 oder 05691/806419

Öffnungszeiten: sonntags und mittwochs 14 bis 16 Uhr, für Gruppen darüber hinaus nach Vereinbarung.

Eingestellt 1/2010

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