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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Sezieren für die Kasseler

Das Collegium Carolinum

Geburtsstuhl
Ein Geburtsstuhl, wie er im Collegium Carolinum verwendet wurde.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Theater und vorne seziert ein Gelehrter demonstrativ Leichen. Dieses so genannte anatomische Theater gab es für das Kasseler Publikum im 18. Jahrhundert. Es gehörte zum Collegium Carolinum. Das vermittelte als voruniversitäre Ausbildung jungen Studenten neben Medizin und Chirurgie Kenntnisse in Mathematik, Astronomie, Mechanik und Optik. Hinzu kamen weitere Fächer, die den Landgrafen Karl, später Friedrich II. wichtig erschienen, um Instrumente und Maschinen zu entwickeln und zu verbessern. Am 2. November 1709 gründete Landgraf Karl die Bildungseinrichtung im Kunsthaus, heute Ottoneum, das der Adlige extra zu diesem Zweck hatte einrichten lassen. Anlässlich des 300. Jubiläums zeigt das Naturkundemuseum noch bis zum 18. April eine Präsentation zum Thema und veranstaltet(e) bis zum 17. Februar 2010 eine Vortragsreihe unter anderem über berühmte Gelehrte des Collegiums Carolinum.

Von dem Vorhaben Landgraf Karls gibt es bereits frühere Zeugnisse. So fertigte der Theatermaler Oswald Harms bereits vor 1709 in der Kuppel des anatomischen Theaters Fresken an - kleine Putten mit Seziergerät sowie Skelette. Auch existiert ein Briefwechsel des Landgrafen mit dem berühmten Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, in dem ersterer sein Vorhaben ausdrückt, eine solche gelehrte Akademie zu gründen. Akademien der Wissenschaften gab es zur Gründungszeit des Collegiums Carolinum bereits in den Residenzstädten wie London, Paris und Berlin. Hier hielten Gelehrte Vorträge und gaben Zeitschriften heraus. Jedoch waren die Collegien in Kassel wie in Braunschweig die voruniversitäre Lehreinrichtungen. "Landgraf Karl strebte als typischer Barockfürst seiner Zeit danach, seine Residenz baulich und kulturell aufzuwerten. Eine gelehrte Akademie mit ausgezeichneten Wissenschaftlern kam dem ebenso entgegen, wie seinen eigenen ausgeprägten naturwissenschaftlichen und mathematischen Interessen", erklärt Dr. Jörg Westerburg, der die Präsentation im Naturkundemuseum zusammengestellt hat. So gelang es dem Landgrafen, eine Reihe von renommierten Wissenschaftlern nach Kassel zu holen. Etwa den Mathematiker, Astronomen und Mediziner Lothar von Zumbach und den Mediziner  und Naturforscher Peter Wolfart. Die wirkten auch außerhalb der Akademie: Denis Papin forschte in seiner Kasseler Zeit  weiter an der Dampfmaschine. Den Forschungen Papins wird nach Westerburg im Zuge der Welterbebewerbung für den Bergpark neue Aufmerksamkeit zu Teil. "Der Landgraf scheint an der Verwendung der Dampfkraft für die repräsentative Ausgestaltung der Fontänen und Wasserspiele interessiert gewesen zu sein."

Von Zumbach kannte sich mit dem Vermessungswesen aus und sollte mit seinen Kenntnissen nach der Vorstellung Landgraf Karls dafür sorgen, den Grundbesitz seiner Untertanen genau einzumessen..Landgraf Karl und später auch Friedrich II. finanzierten die Akademie auch aus indirekten Abgaben, sprich Auflagen auf Lebensmittel wie Brot und Fleisch (vergleichbar der Mehrwertsteuer). Die Studenten blieben je nach Geldbeutel ein bis zwei Jahre am Collegium Carolinum.

Die zweite Blütephase hatte die Akademie unter Landgraf Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Krieg ab 1763. Auf seine Initiative hin kamen angesehene Wissenschaftler nach Kassel wie der Naturforscher Georg Forster, der Historiker Johannes von Müller sowie der Mediziner und Anatom Samuel Soemmering und der Mediziner Wilhelm Stein. Letzterer beschäftigte sich stark mit der Ausbildung von Hebammen. "Friedrich hat das Lehrprogramm des Kollegiums erweitert, zum Beispiel um alte Sprachen, die bildenden Künste und Geschichte" weiß Westerburg. Die größte Bedeutung hatte jedoch die Medizin. Und das kam der Bevölkerung zugute: Ärzte des Collegiums Carolinums arbeiteten in dem (Kasseler) Landkrankenhaus Charite´, im Elisabethhospital und in Armenhäusern. Fortschrittlich für die Zeit waren die Wissenschaftler Peter Wolfart und Erich Raspe. Sie beschäftigten sich mit Versteinerungen und Basalt und machten sich Gedanken über geologische Vorgänge jenseits der biblischen Schöpfungsgeschichte. Am Ende von Friedrichs Regierungszeit (1760-1785) fehlt es der Akademie jedoch an Publikum. Und auch die Studentenzahlen - zu Hochzeiten 40 bis 50 - gehen zurück. Weil er sparen wollte, löste Landgraf Wilhelm IX. nach dem Tod Friedrichs 1785, das Carolinum rasch auf. Außerdem entstand unter Soemmering in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts ein neues anatomisches Theater in der Unterneustadt. Die medizinisch-anatomischen Präparate aus dem Collegium Carolinum jedoch gelangten nach Marburg.

Eingestellt 4/10

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