Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /kunden/377288_35390/webseiten/erlemann/britta/php/detail.php on line 16

Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /kunden/377288_35390/webseiten/erlemann/britta/php/detail.php on line 19
Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

Freie Journalistin
Print, Radio, TV

« zurück zur Übersicht der Arbeitsproben

Bergpark Wilhelmshöhe demonstrierte Macht der Landgrafen

Stobbe
Kulturwissenschaftlerin Urte Stobbe

"Kassel-Wilhelmshöhe - Ein hochadeliger Lustgarten im 18. Jahrhundert", zu diesem Thema promovierte die Kulturwissenschaftlerin Urte Stobbe im Jahr 2008 und erhielt für ihre Studie den "Kasseler Preis für kunstwissenschaftliche und kunstpädagogische Arbeiten" des Museumsvereins Kassel e.V. Britta Erlemann befragte die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Geschichte der Uni Göttingen sowie Lehrbeauftragte im Bereich Denkmalpflege und Bauforschung der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich zur Entstehung des Bergparks.

Deutschland hat den Bergpark Wilhelmshöhe zur Aufnahme ins UNESCO Welterbe vorgeschlagen. Warum sollte das geschehen?

Derzeit bereitet das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden den Antrag vor. Es ist eine kluge Entscheidung, die Wasserspiele als Meisterleistung der damaligen Wasserbaukunst deutlich in das Zentrum des Antrags zu rücken.

Wie kam Landgraf Karl im 18. Jahrhundert auf die Idee, diesen Lustgarten anzulegen?

Auf diese Idee kam er nicht, wie Sie es formulieren, sondern es wurde von einem Herrscher seines Standes schlichtweg erwartet, dass auch er einen möglichst großen und teuren Lustgarten anlegen ließ. Ein großes Schloss, Kaskaden, Fontänen, Grotten - all diese Elemente können als notwendige Bedingung für besonders prachtvolle Lustgärten angesehen werden. Es war also letztlich keine eigene Idee des Landgrafen, sondern resultierte aus ganz traditionellen Konventionen und einem ausgeprägten Standesbewusstsein.

Der Bergpark wurde im Wesentlichen von den drei Landgrafen Karl, Friedrich II. und Wilhelm IX. angelegt. Wie ist er entstanden?

Landgraf Karl hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Karlsberg angelegt, dazu gehören: Herkules, Oktogon und die große Kaskade. Friedrich II. hat zwischen 1763 und 1785 sehr viele mythologische Bezüge in Form von Statuen, bemalten Brettern und Eremitagen in die Anlage integriert. Wilhelm IX wiederum ließ viele dieser Staffage-Elemente (Überbegriff für kleine Gebäude und Schmuckelemente, d.A.) wieder entfernen. Gerade nach 1792/93 griff er zudem wieder auf Elemente zurück, die ganz traditionellen Gestaltungsmodi folgten. So vergrößerte er beispielsweise die Fontäne und ließ Chausseen im Park anlegen - beides wäre eher Anfang des 18. Jahrhunderts zu erwarten gewesen, nicht aber zu einer Zeit, in der sich, glaubt man den bisherigen Darstellungen, der Landschaftsstil breit durchsetzte.

Das Besondere an der Anlage ist, dass sie barocke und englische Elemente enthält. Was ist daran barock, was englisch?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass es prinzipiell nichts Besonderes war, wenn in Kassel-Wilhelmshöhe - wie auch in anderen Anlagen des Hochadels zu dieser Zeit - so genannte Mischformen entstanden. Mir geht es in meiner Arbeit gerade darum dafür zu plädieren, dass die Begriffe "barock" und "englisch" im Bereich der Gartenkunstforschung tendenziell in die Irre leiten - mal ganz abgesehen davon, dass kein Zeitgenosse des 18. Jahrhunderts eine Anlage als "barock" bezeichnet hätte. An der Entwicklung des Parks lässt sich gerade zeigen, dass es viel erhellender ist, von einer traditionellen Art der Gestaltung von Lustgärten auszugehen und dann zu schauen, was im Laufe der Zeit an welcher Stelle hinzukam und was wieder entfernt wurde - um dadurch Rückschlüsse darauf ziehen zu können, inwiefern auch im Bereich der Gestaltung das Bestehende umgedeutet, das heißt auch: in einen anderen Kontext gestellt, wurde. Aus dieser Perspektive zeigen sich dann deutliche Kontinuitäten im Bereich der repräsentativen Gestaltungs- und Nutzungsformen, während zugleich auch neue Geschmacksvorstellungen integriert werden konnten - ohne jedoch den repräsentativen Gesamtrahmen in Frage zu stellen.

Welchen Zweck hatte die Anlage?

Repräsentation und noch einmal Repräsentation. Ich betone das deshalb so stark, weil bislang noch immer in vielen Beiträgen der Gartenkunstforschung die Vorstellung vertreten wird, in einem Landschaftsgarten zeige sich vor allem die Idee der Freiheit. Dies kann gerade bei Anlagen des politisch ambitionierten Hochadels, wie es die Landgrafschaft Hessen-Kassel war, ausgeschlossen werden. Denn das würde den, mit dem Karlsberg unmissverständlich demonstrierten Herrschaftsanspruch unmittelbar unterlaufen.

Für wen war der Bergpark Wilhelmshöhe damals zugänglich?

Prinzipiell für alle, die es sich leisten konnten, eine Kutsche oder ein Reitpferd zu mieten und auf diese Weise den Weg von Kassel zum Lustschloss Weißenstein zu überwinden. Dort zu Fuß hinzugehen, war unüblich bzw. nicht standesgemäß. Die Pläne zeugen zudem davon, dass es an der zentralen Zufahrtsstraße, der Wilhelmshöher Allee, kurz vor dem Anstieg zum Schloss zwei Wachhäuser gab. Es ist zu vermuten, dass all jenen der Zutritt verweigert wurde, die augenscheinlich nicht zu den gehobenen Kreisen gehörten. Auch in der Anlage selbst gab es Wachhäuser, was dafür spricht, dass die Gäste bzw. Besucher in der Anlage selbst nicht unbeobachtet blieben. Die Wasserspiele selbst liefen nur an wenigen Tagen im Jahr - oder aber, wenn hoher Besuch zugegen war. Wollte man die Wasserspiele außerhalb dieser Termine sehen, musste man am Hof vorsprechen und dafür zahlen. Diese Praktiken sind mit unseren heutigen Vorstellungen von einem "freien Zugang" also nur bedingt vereinbar.

Wie kam der Garten damals an?

Ganz unterschiedlich. Auf der einen Seite wurde gerade der Karlsberg bewundert, weil es etwas Vergleichbares in Deutschland nicht gab. Auf der anderen Seite wurde die Anlage aber auch sehr kritisch gesehen, weil dieser Bau zu Lasten der Untertanen errichtet wurde. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass ein Großteil der damaligen Gartenbesucher die Anlage auf eine Weise betrachtete, die vom Landgraf nicht vorgesehen bzw. nicht gewünscht war. In meiner Arbeit spreche ich deshalb von einem "Ringen um die kulturelle Deutungshoheit der Anlage".

Urte Stobbe, "Kassel-Wilhelmshöhe - Ein Lustgarten im 18. Jahrhundert", Deutscher Kunstverlag, 277 Seiten, 51 Euro

Eingestellt 7/10

 

« zurück zur Übersicht der Arbeitsproben

» Porträtwerkstatt / Public Relations