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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Wo man Kassel essen kann

Der Verein "Essbare Stadt"

Von Walnussbäumen über Esskastanien bis zum Mandelbaum - 15 Bäume, die der Ernährung nützen, hat der  gemeinnützige Verein "Essbare Stadt e.V."  im Kasseler Stadtteil Waldau gepflanzt. Und das ist nicht der einzige Ort, an dem die mittlerweile 45 Mitglieder Bürgerinnen und Bürgern pflanzliche Nahrungsmittel öffentlich zugänglich machen: In der Unterneustadt gibt es hinter dem QVC-Gebäude eine  temporäre Brachfläche  mit alten Hochbeeten. Hier pflegt der Verein zum Beispiel seine Kürbisse, Zucchini und Tomaten. In Heckershausen hat er eine Streuobstwiese gepachtet;  für den Herbst sind öffentliche Erntespaziergänge geplant, auch in vernachlässigte städtische Bestände.  Und in der Domäne Frankenhausen  (Richtung Espenau) hat Essbare Stadt e.V. 20 Parzellen des Gemüseselbsternte-Projektes (Uni Kassel pflanzt an, ernten können die Pächterinnen und Pächter) gepachtet.  Die Ernte geht  an alleinerziehende Mütter, Bedürftige,  verschiedene soziale Einrichtungen und an die am 20. Juli gestartete wöchentliche offene Volksküche (Essen gegen Spende), wo gemeinsam gekocht und gespeist wird.  Auch hinter dem TRA.FO-Haus am Lutherplatz wachsen Nutzpflanzen des Vereins.

Die zugrundeliegende Idee: Der Verein "will die Ernährungssouveränität der Leute erhöhen", sagt Karsten Winnemuth, Gärtner und Diplom Permakultur-Designer. Essbare Stadt e.V. will den Menschen zeigen, wo die Nahrung herkommt, sie diese mit produzieren lassen und ihnen alte Kulturtechniken wie Bäume pflanzen und pflegen, Gemüseanbau oder Marmelade kochen vermitteln. Das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für lokale Produktion solle geschärft und ein Beitrag zur Stärkung der lokalen Resilienz (Anpassungsfähigkeit, Elastizität, Widerstandskraft)  geleistet werden. Vor dem Hintergrund knapper werdenden Erdöls und des Klimawandels trage der Verein mit seiner Arbeit zur zukünftigen Nahrungsmittelsicherheit bei, mindert Armut  wie soziale Vereinzelung und schützt dass Klima, da die angepflanzten Bäume CO2 binden. Denn "es wird eine Energieminderung geben, und wir werden unseren substanzverzehrenden Lebensstandard von heute nicht halten können", erklärt Winnemuth.

Seine Flächen hat der Verein als Permakultur angelegt. Nach der "umfassenden Planungs- und Gestaltungsmethode für nachhaltige energieeffiziente Lebensräume" (Vereinsinfo) arbeitet der Mensch mit der Natur, indem er ihre Funktionsweise beobachtet und erkennt und entsprechend handelt. Der Diplom Permakultur-Designer nennt ein Beispiel: Die Pflanze Giersch werde in Nutzgärten seit Jahrzehnten bekämpft. Mittlerweile  haben Menschen erkannt, dass sie diese Pflanze auch essen können und ernten sie. "Die richtigen Eingriffe an der richtigen Stelle", bringt es Winnemuth noch einmal auf den Punkt. Dahinter stehe eine Ethik der Sorge um Erde und Mensch und des fairen Teilens.

Die Vereinsgeschichte: Das Projekt "Kulturpflanzen-Pflanzenkultur-Permakultur" war bereits Bestandteil der Bewerbung der Stadt Kassel zur Kulturhauptstadt Europas. Es startete 2005 mit einem von Winnemuth angelegten offenen Experimentiergarten unter dem Namen "plan t" beim TRA.FO-Haus.  Im Oktober 2007 pflanzte der Gärtner einige Fruchtgehölze ohne Genehmigung des Umwelt- und Gartenamtes bei Werkstatt und Kunsttempel im Vorderen Westen. Mit der Behörde ist der 44-jährige schon seit 2005 im Gespräch. Um der Idee mehr Gewicht zu geben,  gründeten schließlich 16 Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft im Mai letzten Jahres den Verein Essbare Stadt. Der war unter anderem bislang am Tag der Erde vertreten und nahm an einer Kooperationsveranstaltung teil mit dem Titel "Kassel braucht mehr kollektive Gärten!" , auf  der sich bestehende Gemeinschaftsgärten vorstellten.  Durch die Arbeit des Vereins  werden nach Winnemuth "bottom- up"-Prozesse (von unten nach oben) und Selbstorganisation angestoßen. Gleichzeitig wäre es nach Winnemuth zudem wünschenswert, wenn die Stadt Kassel erkennt:   "Das ist der richtige Weg" und selbst vermehrt Fruchtgehölze anpflanzt sowie auf Stadtplanungsebene Flächen für die lokale Nahrungsmittelproduktion ihrer Bürger freihält.   Weitere Ziele sind unter anderem der Spaß am gemeinsamen Handeln und mehr Lebensqualität für das postfossile Zeitalter zu schaffen. An Zukunftsplänen hat der Verein beispielsweise auf der Open Space Konferenz 1100 Jahre Kassel vorgeschlagen, dass bis 2013 zum Jubiläum passend 1100 Bäume gepflanzt werden. Mitglied des Vereins kann jeder werden, der Interesse hat.

Britta Erlemann

Info: www.essbare-stadt.de

Eingestellt 10/10

 

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