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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Der letzte Eindruck

Keramikurnen

Der Tod der Mutter stand bei beiden am Anfang: Almut Eichhorn-Popp fand in Bestattungsinstituten nur Urnen, die ihr nicht zusagten. Und Uschi Vortisch kam dadurch auf die Idee, selbst eine zu machen "doch das kriegst Du in so einer Situation nicht hin", sagt sie. Die beiden freischaffenden Keramikerinnen bieten heute Keramikurnen an, die sie in ihren Kasseler Werkstätten hergestellt haben. Eichhorn-Popp produzierte schließlich ihre ersten, als die Angehörigen zweier für die Keramikerin wichtigen  Verstorbenen sie darum baten. Vortisch fertigte einige Jahre nach dem Verlust der Mutter eine Urne als Gesellenstück. Sie hat sich mittlerweile auf Urnen spezialisiert und vertreibt sie an Privatkunden wie Bestattungsunternehmen in ganz Deutschland. Anfangs stellte sie sich dafür persönlich mit einer Urne bei Bestattungsunternehmen vor. Heute helfen ihr bei der Kundenakquise  ihre Website, Stände auf Messen und bestehende Kontakte. Dagegen hat Eichhorn-Popp, die auch Keramik studierte, die Urnen nie verkaufsorientiert produziert. Für sie waren diese Gefäße ein Thema, mit dem sie sich von 2003 bis 2007 beschäftigt hat. Heute besitzt sie noch einige fertige Stücke und solche, die geformt und vorgebrannt, jedoch noch nicht lasiert sind. Über Empfehlungen findet bundesweite Privatkundschaft ihre Urnen. Bestattungsunternehmen konnte sie jedoch nicht für ihre Stücke gewinnen.

Bei beiden Keramikerinnen, die auch als Gymnasiallehrerinnen gearbeitet haben, entstehen, bzw. entstanden die Gefäße frei auf der Drehscheibe. Die Urnen der  1965 geborenen Vortisch weichen von der klassisch-zylindrisch orientierten Urnenform ab, indem sie entweder Kugeln sind oder unten einen wesentlich kleineren Durchmesser haben als oben. Sie arbeitet mit den Farben blau und braun und auf dem Deckel mit Spiralmustern. Wichtig ist ihr, dass die Form gespannt ist, also eine klare Kontur hat und keine ungewohnten Erhebungen. Bei ihren kegelförmigen Urnen bilden Unterteil und Deckel eine Linie. Vortisch geht auch auf individuelle Wünsche ein. So produzierte sie für einen Kunden eine Doppelurne, in der zwei Aschekapseln übereinander Platz haben. Die ist jetzt in Dortmund in einem -wie die Keramiker-Gesellin weiß - bundesweit einzigartigen Urnenturm  zu besichtigen. Wie ihre Kollegin hat sich auch Eichhorn-Popp mit ihren Urnen von eher konventionellen entfernt. Auch wenn hier die Friedhofsauflagen Grenzen setzen. Denn das Gefäß muss in eine Öffnung mit 30 Zentimeter Durchmesser passen und unten ein Loch haben, damit die sich in der Urne befindliche Aschekapsel aus Eisen sich auflösen und ihren Inhalt an die Erde abgeben kann. Die 67jährige hat ihren Stücken sowohl die Ei- als auch die Zylinderform gegeben. Für das Steinzeug verwendet sie selbst hergestellte Feldspatglasuren und eine spezielle Brandtechnik. Beides Materialien, die aus der Erde gewonnen werden und für sie zu dem Ritual passen, dass der tote menschliche Körper mit der Urne wieder der Erde zugeführt wird. Die räumliche, strenge Form und die Oberfläche sollen in Eichhorn-Popps Vorstellung ein einheitliches Ganzes ergeben. Auf der Oberfläche der zylindrischen Gefäße können vielfältige Farbnuancen entstehen, während bei den Eiformen einfarbige Glasuren den Urnenkörper mit einem Craquelénetz (craquelé: rissig, gesprungen) überziehen.

"Die Urne ist der letzte Eindruck, der in Erinnerung bleibt, da sollte sie etwas Geschlossenes, Ruhiges, Selbstverständliches sein, dass man gern erinnert", sagt sie, deren Leitsatz ist "Nicht irgendein, sondern ein Bestimmtes". Vortisch hingegen hält sich mit der Philosophie was ihre Urnen betrifft, gern zurück und lässt sich davon faszinieren, was Angehörige dort hineininterpretieren. So erinnert sie die Reaktion eines Jungen, dessen Vater gestorben war und die Urnen sah: "Das ist ja so blau wie das Himmelshaus." Menschen, die zu ihr in die Werkstatt kommen, fangen oft spontan an zu erzählen, wie eine Frau vom Tod ihres Mannes. "Da kommt Gänsehautatmosphäre auf", sagt Vortisch. Beide Keramikerinnen berichten davon, dass sich die Hinterbliebenen an ihren Stücken freuen. Weil sich die Keramik nicht auflöst, können sie nicht im Friedwald vergraben werden. Vortisch will jedoch künftig auch Urnen herstellen, die zerfallen. Beide Frauen produzieren außerdem weitere Stücke aus Keramik wie Vasen, Schalen und Geschirr.

Eingestellt 2/2011

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