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Britta Erlemann: Freie Journalistin / Arbeitsproben

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Andere Chancen am Start

Existenzgründerinnen

Marianne Krause
Unternehmensberaterin Marianne Krause

"Die Zahl selbständiger Frauen ist in den Letzten Jahren stärker gestiegen als die Anzahl selbständiger Männer. Fast jedes dritte Unternehmen wird in Deutschland von einer Frau geführt", stellte bereits 2005 die bundesweite gründerinnenagentur (bga) in einem Report fest. Der Boom sei wesentlich auf die höhere Anzahl von Akademikerinnen, den so genannten Bildungseffekt zurückzuführen, wie das Institut für Mittelstandsforschung Mannheim herausgefunden habe. Krause unterfütterte das in ihrem Vortrag in der Industrie- und Handelskammer Kassel mit Daten und Fakten: So liegt nach dem Gründerreport der Deutschen Industrie und Handelskammer der Anteil von Neugründungen durch Frauen an allen Existenzgründungen im Jahr 2004 bei 34 Prozent. Im Jahr 2001 waren es noch 31 Prozent. Dabei ist in den neuen Bundesländern der Gründerinnenzuwachs prozentual noch viel höher als in den alten Bundesländern, so ein Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) im September 2006. Ein Grund dafür sei das Selbstverständnis der schon vor der "Wende" sehr viel häufiger berufstätigen Frauen und deren in der Regel hohe Qualifizierung.

 "Die meisten Gründungen von Frauen erfolgten in den Wirtschaftszweigen Erziehung/Unter-richt/Gesundheits-Sozialwesen (21 Prozent), sonstige persönliche Dienstleistungen (19 Prozent) und Handel (19 Prozent) berichtete Krause auf der Basis von bga-Informationen. "Existenzgründungen durch Frauen tragen zur weiteren Ausdifferenzierung der Wirtschaftsstruktur einer Region bei, denn ihre Gründungsvorhaben zielen meist auf unbesetzte Nischen oder neue Märkte ab und decken andere Bereiche ab, als die der Männer", erklärt dazu die bga. Außerdem zeichneten sich Frauengründungen in ihrer Ideenfindung durch hohe Kreativität und Individualität aus.

"Dabei gründen fast zwei Drittel (64,4 Prozent) der Frauen im Alter zwischen 35 und 54 Jahren", so Krause. Frauen gründeten öfter im Nebenerwerb (55 Prozent Frauen, 45 Prozent Männer). Der Anteil der Vollerwerbsgründungen liege bei Frauen bei 28 Prozent, bei Männern bei 72 Prozent, so die Unternehmensberaterin. Das erläutert die bga: "Gerade nach der Babypause bietet die Selbständigkeit eine flexibel zu gestaltende Möglichkeit des beruflichen Wiedereinstiegs. Entsprechend ist der größere Anteil der teilzeitselbständigen Frauen." Nach bga arbeiten diese bis zu 20 Stunden die Woche, ein weiteres Drittel der Unternehmerinnen jedoch über 41 Stunden pro Woche. "Viele Frauen versuchen, die Familie mit einer selbständigen beruflichen Tätigkeit zu vereinbaren", begründet auch das BMWI.

Auch die Unternehmensgröße ist bei leitenden Frauen und Männern verscheiden: "Frauen arbeiten in ihrem Unternehmen zum großen Teil allein", erfuhren die Teilnehmerinnen von der Diplom-Ökonomin. Auch gründen sie nach Krause und bga kleinere Unternehmen als Männer. Die Beschäftigtenzahl liege durchschnittlich zwischen ein und fünf Beschäftigten. "Begründet liegt dies auch in den unterschiedlichen Präferenzen hinsichtlich der Unternehmensgröße und dem Managementstil. Frauen legen dabei mehr Wert auf die Qualität der Beziehungen mit den Beschäftigten und ziehen eine weniger hierarchische Unternehmensstruktur vor." (bga Factsheet 2/2005).

Frauengründungen halten länger. Das ist die logische Konsequenz aus dem anderen Gründungsverhalten von Frauen. Denn sie gründen, wie Krause referierte, risikobewusster. "Sie brechen ihr Gründungsvorhaben seltener ab als Männer, und die Unternehmen haben eine größere Überlebenswahrscheinlichkeit." Hierzu erklärt wiederum der bga-Report, dass Gründungen von Frauen weniger als die von Männern auf schnelles Wachstum ausgerichtet seien. Auch gründeten Frauen weniger kapitalintensiv als das andere Geschlecht (Krause/bga). "Sie stellen weniger Kreditanträge und haben durchschnittlich ein siebenmal geringeres Investitionsvolumen als Männer. 37 Prozent haben keinen Finanzierungsbedarf, 54 Prozent kommen mit einem Startkapital von weniger als 25 000 Euro aus", so die Frau von der Unternehmensberatung bona fide in Kassel. Die bga gehe von einem durchschnittlichen Kapitalbedarf von 3000 bis 7000 Euro aus. Dies begründet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unter anderem damit, dass Frauen häufiger im Dienstleistungsbereich aktiv sind. Das Problem, vor dem hierbei die Gründerinnen stehen, ist nach Krause, dass es sehr schwer ist, diesen Betrag "fremdfinanziert" also von Banken als Kredit zu bekommen. "Häufigste Gründe für die Ablehnung sind - nach Einschätzung des Deutschen Gründerinnenforums - fehlende Eigenmittel und fehlende Sicherheiten (wie bei Männern laut Kreditbank für den Wiederaufbau übrigens auch) sowie Defizite beim Unternehmenskonzept", so der Ministeriumsbericht. Zudem seien kleine Kreditvolumina für die Banken in der Regel unattraktiv. Dabei sind Frauen die besseren KreditnehmerInnen: Sie zahlen ihre Kredite zuverlässiger zurück, und bei ihnen gibt es sehr viel weniger Kreditausfälle (Bundesministerium/Krause). "Sie gehen ihre Finanzplanung und Finanzierung sehr viel durchdachter an und sehr viel risikobewusster mit Geld um", so das Ministerium und die bga.

Auch gründen Frauen mit geringerem Eigenkapital als Männer. Ursachen hierfür sind nach dem Bundesministerium das fehlende eigene Einkommen wenn Frauen zum Beispiel wegen ihrer Kinder nicht arbeiten und die damit verknüpfte wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner. Zudem könne es sein, dass Frauen zwar durchgängig berufstätig waren, aber über ein relativ niedriges Einkommen verfügten, wie das in vielen "Frauenberufen" üblich sei. Allerdings verdienen Frauen erwiesenermaßen auch in Männerberufen weniger als das andere Geschlecht.

Für Frauen "ist ein Unternehmen Teil ihrer eigenen Lebensplanung" erklärt die Unternehmensberaterin. Dazu passt, dass sie nach Berechnung des Instituts für Mittelstandsforschung zu fast einem Viertel von zu Hause aus arbeiten. Wohl auch deshalb: "Kinder und Partner erwarten von Mutter beziehungsweise Partnerin (sofern heterosexuell lebend, d.A.), dass sie so viel wie möglich für die Familie zur Verfügung steht." (Bundesministerium/Krause) Alle Studien und Erfahrungen machten deutlich, dass die meisten Exitenzgründerinnen mit der Doppelbelastung Beruf/Familie zurechtkommen müssen. Gleichzeitig hat das Institut für Mittelstandsforschung herausgefunden, dass junge Kinder nicht hinderlich für das Unternehmerinnendasein sind: "Frauen mit einem Kind unter drei Jahren sind mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit selbständig als Frauen ohne Kinder."

"Dazu bestätigen Gründerinnenberaterinnen: Während Männer der erste Schritt in die Selbständigkeit in erster Linie eine berufliche Entscheidung bedeutet, steht bei Frauen dahinter eine Lebensstrategie. Selbständigkeit ermöglicht Frauen vielfach erstmals einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz." (Ministeriumsbericht)

Geringere Chancen durch geschlechtsspezifische Berufswahl und Qualifikationsdefizite durch weniger Berufserfahrung stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie darüber hinaus bei Gründerinnen fest. "Rund 55 Prozent aller Frauen entscheidet sich für nur zehn von insgesamt 87 Berufsgruppen. Dazu zählen die einfacheren Büro-, Verkaufs-, Reinigungs- und Gesundheitsdienstberufe sowie soziale und pädagogische Berufe. Die meisten dieser typischen Frauenberufe bieten ganz offensichtlich eher geringe Gründungschancen." Da nun der Gesundheitssektor als Wachstumsmarkt der Zukunft gelte, ergäben sich jedoch für Gründerinnen ganz neue Möglichkeiten, so die bga.

Das Ministerium sieht bei Frauen Berufserfahrungsdefizite aufgrund durchschnittlich geringerer Erwerbstätigkeit als Männer. Außerdem sieht es fehlende betriebswirtschaftliche Qualifikationen, geringere Führungs- und Verhandlungserfahrung sowie fehlende Kontakte im "Markt". "Dazu kommen schließlich die Know-how-Lücken, die Frauen nach einer Erwerbsunterbrechung (meist wegen Geburt und Pflege ihrer Kinder) beim Wiedereintritt ins (selbständige) Arbeitsleben haben können", so der Ministeriumsbericht.

Ein weiteres Manko, dass Neu-Unternehmerinnen haben, ist nach Angaben des Ministeriums, dass sie aufgrund begrenzter Arbeitserfahrung anders als Männer weniger oder keine Netzwerkkontakte mitbringen. Dass sie nicht einfach die Netzwerkadressen vor Ort nutzen, liege - nach Einschätzung der bga nicht an Desinteresse, sondern an zu wenig Zeit.

Info: www.gruenderinnenagentur.de; www.bmwi.de

Ergänzungen: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die 2500 Teilnehmerinnen der bundesweiten Veranstaltung "Frauen an den Start" in den verschiedenen Industrie- und Handelskammern zu ihren Einschätzungen zu Unterschieden bei der Existenzgründung von Frauen und Männern befragt. Danach sind die meisten Existenzgründerinnen über 40 Jahre alt, nämlich 53 Prozent. "Viele Frauen gründen erst dann, wenn die Kinder `aus dem Gröbsten raus´ sind", so der Report. Als Branchen bevorzugen laut DIHK-Befragung Frauen die Branchen Dienstleistung und Handel. "Die meisten wollen in Branchen gründen, in denen eine Gründung vergleichsweise wenig Startkapital erfordert." Entgegen bisheriger Zahlen ergab die Befragung, dass die meisten Teilnehmerinnen im Vollerwerb gründen wollen, und zwar zwei Drittel von ihnen. Außerdem sehen die 75 Prozent der Befragten höhere Gründungshürden für Frauen als für Männer, insbesondere bei der Gründungsfinanzierung. Hier gaben 58 Prozent an, dass aus ihrer Erfahrung die Kreditaufnahme für Frauen schwerer sei. Hauptgrund, so der Bericht: "Viele Frauen, die zunächst das Unternehmen "Familie" führen, können nicht in gleichem Umfang wie Männer Gründungskapital ansparen, Geschäftskontakte knüpfen und sich kaufmännisches Know-how aneignen." Außerdem meinten 71 Prozent der Befragten, dass Frauen ihre unternehmerischen Fähigkeiten unterschätzen.

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