Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /kunden/377288_35390/webseiten/erlemann/britta/php/detail.php on line 16

Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /kunden/377288_35390/webseiten/erlemann/britta/php/detail.php on line 19
Britta Erlemann: Porträtwerkstatt / Arbeitsproben

Porträtwerkstatt
Public Relations

« zurück zur Übersicht der Arbeitsproben

Realistische Vergänglichkeit

Andrei Krioukov: Erfinder des Einweg-Realismus

Andrei Krioukov
Der Erfinder des Einweg-Realismus: Andrei Krioukov.

Kassel. Er ist der Erfinder des Einweg-Realismus. Und das seit zwanzig Jahren: der Diplom Maler und Grafiker Andrei Krioukov. Einweglebensmittelverpackungen haben es ihm angetan. Ob leere Bier- und Coladosen, Alkoholflaschen oder Safttetrapacks. Und die malt der in Kassel lebende Künstler russischer Herkunft realistisch in Öl. Mit Umweltpolitik hat das nichts zu tun. Krioukov: "Worum es mir geht, ist das Thema Vergänglichkeit, und zwar wertneutral. Alles, was um uns herum geschieht, ist einmalig und im nächsten Moment unwiederbringlich vergangen." Dieser notwendige Bestandteil des Lebens sei durch ständige Veränderung und Weiterentwicklung geprägt.

Die Kunsthistorikerin Dr. Ellen Markgraf sah die Arbeit des Leiters der Schule für Bildende Kunst und Gestaltung in Kassel anlässlich einer Ausstellung im letzten Jahr vor dem Hintergrund der Erscheinungsformen des Realismus in der

Geschichte der Kunst: Da ist zunächst der Realismus als Gegenbewegung zur Romantik. Dann kam in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts der Realismus in Gestalt der neuen Sachlichkeit, später der sozialistische Realismus und schließlich daraus folgend die Leipziger Schule, die heute noch von Neo Rauch weiter getragen wird. "Der Maler erzielt eine Dreidimensionalität dadurch, dass er viele Schichten übereinander malt", erklärte Markgraf. Aufgrund der Farbigkeit hätten sie eine lebendige, fast warme Ausstrahlung. Bei Krioukovs Bildthemen seien auch Stillleben ganz wichtig. Er versuche insgesamt fast einen Fotorealismus zu erzielen, und das auch über die Schrift als grafisches Element. "Krioukov erhöht den Gegenstand, indem er den gelben Sack-Sachen so viel Aufmerksamkeit widmet, dass er sie malt", sagte die Kunsthistorikerin. Auf der anderen Seite mache er darauf aufmerksam, wie viel unglaublichen Müll wir produzieren.

Krioukovs Idee vom Einweg-Realismus hat zwei Wurzeln: Zum einen sei vor etwa zwanzig Jahren die Welt schneller geworden, so der Künstler. "Als Folge sind viele Gegenstände schnelllebige Einwegsachen geworden." Im Neorealismus habe etwa der Sohn vom Vater eine Jacke geerbt, die der bereits von seinem Vater bekommen hatte. Die Keramik, die in Griechenland vor tausend Jahren hergestellt worden ist, finde man heute nach heil vor. "Statt Kaputtes zu reparieren, muss man dagegen in heutigen Zeiten "dran bleiben", damit man nicht überholt wird", waren Krioukovs Gedanken. Der zweite Strang: "Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war in Russland eine sehr turbulente Zeit." In der Kunst sei der sozialistische Realismus noch stark vertreten gewesen, erklärt der fünffache Familienvater. Er verstand den Einweg-Realismus als Gegenreaktion auf die totalitäre staatliche Macht, die sich auch im sozialistischen Realismus ausdrückte.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Künstler wegbewegt von Bildern voller Symbole und Vergleichen von Altem und Neuem. Sein jüngeres Schaffen ist ausschnitthaft und gekennzeichnet von Bewegung sowie ausdrucksstark. "Die Welt ist immer schneller geworden. Die Betrachterinnen und Betrachter meiner Bilder fliegen mit allem mit", erklärt der Deutsch-Russe das.

Andrei Krioukov studierte an der Moskauer Kunstfachschule "Zu Ehren 1905" mit dem Schwerpunkt Malerei, Lehramt für Kunst und an der staatlichen Kunsthochschule "V.I. Surikov" in Moskau Malerei und Grafik. Seine Ölgemälde und Grafiken werden seit 1988 auf internationalen Ausstellungen in Russland, Luxemburg und Deutschland ausgestellt, unter anderem bei der Museennacht in Marburg (2005), im Jugendpalast in Moskau (1989-90), im Haus der Kunst in Moskau (1991), in der Kunst-Akademie der Sowjetunion (1988), auf der Internationalen Messe Salon du Printemps in Luxemburg (2003) sowie auf Einzel- und Sammelausstellungen in Kassel, Schwalmstadt und Karlsruhe. Neben dem Einweg-Realismus sind weitere Hauptthemen seiner Arbeit Porträts und Stadtlandschaften. Seit 2003 betreibt er außerdem die Schule für Bildende Kunst und Gestaltung in Kassel.

3432 Zeichen ohne Leerzeichen;Ansprechpartner/in: Rita Stroutchenkova, Managerin SBKG, Tel.: 0179-5272809; Redaktion: Britta Erlemann

Eingestellt 7/08

« zurück zur Übersicht der Arbeitsproben

» Freie Journalistin: Print, Radio, TV